Nicht nur für die Religionsgemeinschaften, sondern auch für die Städte, Landkreise und Gemeinden stellt sich die Frage: Was tun mit den ganzen ungenutzten Kirchen? Letztes Jahr im Herbst kulminierte das Thema nicht nur in Kirchenzeitungen sondern auch in anderen Zeitschriften, dabei sollte das Problem schon seit Jahren auf der Tagesordnung stehen. Es ist nun wahrlich nicht vom Himmel gefallen und wir sollten uns pragmatisch und ohne falsche Pietät endlich der Sache annehmen. Denn Gott ist nicht Eigentümer noch Dauermieter eines Kirchengebäudes. Wenn wir ihn dort nicht mehr treffen können/wollen, kann er auch ausziehen oder womöglich hat er auch Freude an einer neuen Nutzung und skatet mit in einer Kirche wie Santa Barbara in Llanera, Asturias, Nordküste Spaniens. Mehr zum Projekt vom Künstler selbst (spanisch mit engl. Untertiteln):
Außer Skatanlage und Kunstkirche gibt es noch weiteren Möglichkeiten der Weiterverwendung von nicht genutzten Kirchen: Wir haben in Dublin in einer Kirche, nun Pub-Restaurant, gegessen, dies direkt über einer Grabplatte und unter der Orgel, auf der bereits Händel schon gespielt hat, s. https://www.thechurch.ie/ (Traf sich gut, wir sind auch aus Halle). In Schottland haben wir in einem B&B übernachtet, dass vorher eine Kirche war, göttliche Gastlichkeit sozusagen, s. https://theauldkirk.com/. Es gibt auch alte Kirchen, die nun als Privathäuser genutzt werden, z.B. hier zu sehen: https://www.dwell.com/article/renovated-churches-turned-into-homes-3576982f Ein Paar in Schottland renovierte eine Kirche, in dem Haus neu in die Kirche hinein gebaut werden mußte. Zusätzlich mußten aber auch die Hunderte Grabstellen rings um die Kirche so belassen werden. Nichts mit Gemüsegarten vor dem Haus! Blumengarten zwischen den alten Gräbern ginge vielleicht noch.
Falls nicht darin geschlafen wird oder gewohnt wird, können auch Bücher einziehen, wie in dieser Buchverkaufskathedrale (muss wohl so gesagt werden) in Maastricht, Niederlanden:
Es gibt auch die Möglichkeit, aus der Kirche, die nicht mehr gebraucht wird, eine wunderschöne Bibliothek zu machen. Damit bleibt der Kirchenraum in anderer Form auch der Allgemeinheit erhalten und wird als kommunales Gebäude weiter genutzt. In Mühlhausen in Thüringen standen wir vor der Jakobikirche am Rand der dortigen Altstadt, die nach Umbau seit 2004 als öffentliche Stadtbibliothek genutzt wird, und begannen spontan eine kleine Besichtigungstour.

Die Jakobikirche, die bereits seit der Reformation an Bedeutung verloren hatte und immer mehr verfiel, wurde 1831 offiziell geschlossen und nur noch als Aushilfskirche benutzt. Eine Sanierung der Kirche erfolgte seit 1992, ab 2002 wurde der Einbau der Stadtbibliothek begonnen, die am 2. April 2004 feierlich eröffnet werden konnte. Heute verfügt die Bibliothek lt. eigenen Angaben über 167.990 Medien, die auf vier Etagen in Freihand verfügbar sind, von Kinder- und Jugendbüchern bis zur wissenschaftlichen und heimatkundlichen Präsenzbibliothek, die auch die Benutzerarbeitsplätze des Stadtarchivs Mühlhausen beinhaltet.

Darüber hinaus geben sogenannte „Archäologische Fenster“ (auf dem Foto links in der Mitte rechts zu erkennen) Einblicke in die Baugeschichte der Kirche. Aber nicht nur Menschen finden in der Jakobikirche/Stadtbibliothek einen (literarischen) Raum, die Kirche bietet auch zwei Nistplätze für Turmfalken, die gut genutzt werden. Lt. der Stadtbibliothek „konnten aktuell 5 Jungfalken im Südturm und 6 Jungfalken im Nordturm beringt werden.“ Neben Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen, Arbeitsplätzen und Bibliotheksangeboten gibt es darüber hinaus im Eingangsbereich eine Samentauschbörse, mit der will die Stadtbibliothek „zum Erhalt der Pflanzenvielfalt in heimischen Gärten beitragen.“

Insgesamt erlebten wir bei der Besichtigung eine gut ausgestattete Stadtbibliothek mit einer interessanten Innenarchitektur in einem historischen Gebäude aus dem Mittelalter. Wir bedanken uns am Ende ganz herzlich bei den Mitarbeitern der Stadtbibliothek Mühlhausen für das herzliche Entgegenkommen und die freundlichen Auskünfte. Die Stadtbibliothek Mühlhausen erreichen Sie hier: https://webopac.winbiap.de/muehlhausen/index.aspx
Den Freundeskreis der Stadtbibliothek hier: https://www.freundeskreis-jakobi.de/
Weitere Bilder:



Alle Fotos (C) To. Kreutzfeldt, Benutzung nur nach vorheriger Absprache.


