Gutsbibliothek

10 Jahre Kleine freie Gutsbibliothek

Fast hätte ich diese wichtige Sache vergessen: Unsere kleine freie Gutsbibliothek steht nun seit 10 Jahren in unserer Wohnanlage, dem historischen Gut Gimritz.

Die fertige kleine Bibliothek

Groß gefeiert haben wir es nicht! Unser kleiner öffentlicher Bücherschrank ist inzwischen zu einer Selbstverständlichkeit auf dem Gut geworden, von dem alle wissen und den einige auch nutzen. Mehr war nicht zu erwarten. Oft sind viel zu viele Bücher drin. Da haben wir aus der Not bereits eine Tugend gemacht und den Mehrbestand in andere öffentliche Bücherschranke oder kleine Bibliotheken umgelagert. Wenige Bücher kamen zur Erneuerung des Bestandes auch als Umtausch zu uns.

Begonnen hat es vor 10 Jahren mit einem Selbstbau. Dazu wurden fast ausschließlich gebrauchte Materialen verwendet, wie der Gründer der #littlefreelibrary-Bewegung Todd Bol empfohlen hat. Bücher kamen als Spenden von Nachbarn und von uns rasch hinzu und bald waren beide Regalbretter der kleinen Bibliothek gut gefüllt.

So vergingen die Jahre. Mit Vandalismus hatten wir durch die geschützte Lage des Gutshofes zum Glück kein Problem, aber etwas anderes warf im März 2019 die kleine Bibliothek einfach um: „Seit dem 10. März ist unsere Kleine Gutsbibliothek leider nicht mehr in Betrieb. Schuld daran ist das Sturmtief Eberhard. Der Wind hat so lange an den Bibliothek gerüttelt, bis einer der Pfosten durchgebrochen ist und sie umfiel. Soweit erkennbar, haben die Bücher keinen Schaden genommen. Wir haben sofort alles gesichert.“

Also wurde wieder aufgebaut und weitergemacht! In der Corona-Zeit gab es Sommer-Shelfies, habe ich leider wieder damit aufgehört. Ein Jahr darauf wurde ein neuer Buchladen vorgestellt, das Kohsie, mutiges Unterfangen und auch schon wieder geschlossen, was sehr schade ist. Es kam auch in dieser Zeit die Idee des LESEMITTWOCH auf, des gemeinsamen Lesens erst auf Twitter und danach auf bluesky. Die Idee dazu kam von einigen Leuten einer Buchhandlung in Köln, hat sich aber inzwischen verselbstständigt. Inzwischen ist auch ein #buchclub dazu gekommen.

Ab 2022 haben wir angefangen, Bücher mit anderen kleinen Bibliotheken in der Stadt „auszutauschen“. Besonders nah ist uns der offene Bücherschrank im Peißnitzhaus, zu dem das meiste aus unseren „Überschüssen“ geht, glaube ich. Aber auch ganz andere wunderbare kleine Bibliotheken wurden eröffnet, z.B. eine mit einer kleinen Puppenstube unter dem Dach. Das würde ich mir auch wünschen, direkt über einer Bibliothek zu wohnen. Kleine Bibliotheken gibt es auch in Norwegen und im Baltikum, wie wir feststellen konnten. Das sind eigene Geschichten.

Darüber, dass es schöner ist, im Schatten seiner kleinen Bibliothek etwas zu lesen und nicht zur Buchmesse Leipzig zu fahren, habe ich auch etwas geschrieben (2023) Aber das soll jede/r für sich selbst entscheiden. Ab 2023 habe ich auch angefangen, Bücher, die ich gelesen habe, mit einer Kurzinfo hier zu blogen. Diese müssen sich nicht unbedingt in der kleinen Gutsbibliothek befinden. Gedanken habe ich mir gemacht, das Bibliothekar/innen auch selbst Heldinnen und Helden in Büchern sein können. Außerdem darüber, was Buchhandel und Bibliothekswesen anfangen, wenn es immer weniger Leser/innen gibt. Ein ähnliches Problem haben die Kirchen, denn es gibt immer weniger Gläubige. Was sollen wir mit den vielen leerstehenden Kirchengebäuden anstellen?

Inzwischen ist unsere kleine freie Gutsbibliothek ganz schön „in die Jahre“ gekommen. Es wird Zeit für einen Neubau, denke ich. Material liegt auch schon bereit. Nun muß ich nur noch Zeit finden für den Bau einer erneuerten kleinen Bibliothek. Vielleicht steht sie dann weitere 10 Jahre und es können Bücher hingebracht oder Bücher mitgenommen werden wie es sich gehört.

Der Gutsbibliothekar

Bibliotheksalltag

Die Gutsbibliothek im Jahr 2022

Ist Bloggen out?, hat neulich jemand bei Twitter gefragt und gemeint, wir könnten doch alle wieder mehr bloggen. Dem möchte ich mich anschließen. Ich habe diesen Blog viel zu lange brach gelassen. Der letzte Beitrag war über Lesekioske in Norwegen im Jahr 2021 (!!!). Asche auf mein Haupt. Dabei wäre so einiges zu erzählen gewesen. Das wäre schon einmal ein schöner Vorsatz für 2023, denkt ihr nicht auch.

Zum Beispiel sind dieses Jahr sehr viele neue Bücher hinzugekommen und sehr viele mitgenommen worden. So soll es sein. Ich freue mich, dass nicht nur alte Bücher oder „Zerlesenes“ bei uns ankommt, sondern mitunter auch recht aktuelle Literatur. Das freut mich sehr und hält den Bestand attraktiv. Allerdings kommt in unserer kleinen Bibliothek in der Regel mehr hinzu, als heraus geht. So sind einige Außenstellen entstanden, andere habe wir unberücksichtigt gelassen. Ich nehme mir vor, auch über einige gefundene Bücher etwas zu schreiben.

Als „Außenstellen“, eben erwähnt, sind zu nennen:

  1. Die Krimibibliothek in unserem Ferienhaus in Thüringen, allerdings kann diese nur von Freunden und Familie genutzt werden.
  2. Die kleine Praxisbibliothek in der Geiststraße, die inzwischen sehr gut besucht wird und die wir mit Büchern ständig neu ergänzen.
  3. Neu hinzugekommen ist die Tauschbibliothek in den Franck. Stift., in die ich regelmäßig gerne Bücher bringe, wenn bei uns die Regale wieder überquellen.

Was war noch 2022 los? Wir haben schöne #Littlefreelibrarys in anderen Ländern bewundern dürfen, z.B. in Slowenia. Oder sahen in einer Kirche, die zu einer Stadtbibliothek umgebaut worden ist, eine mittelalterliche Trachtengruppe.

Was steht 2023 an? Die Büchertauschaktionen mit den „Außenstellen“ müssen natürlich weitergehen und ausgebaut werden. Eine große Aktion ist die Renovierung unserer eigenen Bibliothek, die seit 2016 steht. Da werde ich mir noch etwas einfallen müssen.

Der Bibliothekar der kleinen Gutsbibliothek