Lesen ist wie eine Reise. So sind die Bücher wie schöne Ziele, die im Laufe des Jahres 2026 besucht werden. Die Reiseroute stand zu Beginn noch nicht fest, Anregungen und Tipps werden im Verlauf der Lesereise eingeholt. Und so verläuft die Tour bisher:

26/1- Zu Beginn des Jahres nahm mich Sarah Beth Durst mit „The Enchanted Greenhouse“ wieder auf eine abgelegende Insel im Mondsichel Inselreich mit. Die Erschafferin der sprechenden Pflanze Caz aus dem Buch „Spellshop“, die Bibliothekarin Terlu, wurde zur Strafe für den verbotenen Zauber in eine Statue verwandelt. Aber nach einer Zeitlang wacht sie nicht in der Bibliothek von Alyssium, in der ihre Henker sie abgestellt haben, auf, sondern in einer schneebedeckten Welt voller wundervoller Gewächshäuser und sie muß vermutlich wieder zaubern, um dem attraktiven Gärtner zu helfen, die Gewächshäuser zu retten. Klingt nun fürchterlich kuschelig und ist es auch, aber daneben auch sehr spannend durchkomponiert mit vielen lustigen Ideen. Ich habe den Aufenthalt in den verzauberten Gewächshäusern sehr genossen, aber nun lassen wir Terlu und ihren Gärtner wieder allein und reisen weiter nach …

26/2 – Wir bleiben in verzauberten Welten und reisen mit „Qwert“ durch ein Dimensionsloch nach Orméa. Der Reiseleiter Walter Moers ermöglicht uns das Wiederlesen mit einer Menge „alter Bekannter“, die wir schon aus der Zamonienwelt des Autors und Zeichners kennen. So ist die Hauptperson Qwert Zuiopü, der Gallertprinz aus der 2364. Dimension, bereits aus „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ bekannt. Die Sagenfigur „Prinz Kaltbluth“ (erfunden von Graf Zamoniak Klanthu zu Kainomaz), in dessen Körper Qwert die Welt von Orméa durchquert, wird in fast allen Zamonienromanen von Moers erwähnt. Und der berühmteste Zamonier darf natürlich auch nicht bei all den Ritteraventiuren in Orméa fehlen. So viel Sprachgewalt muss sein!

26/3 – Die nächste Station auf meiner Lesereise ist das „Siebensteinthal„. Diese Landschaft wiederum ein fantastischer Ort, den Sameena Jehanzeb als Autorin und Illustratorin erschaffen hat. Das Buch ist ein Reigen von Geschichten, deren verbindendes Element ein Buch voller Legenden über das Siebensteinthal ist, es wandert mit uns durch das ganze Tal, bis es am Ende zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Auf diesem Trip durch die Welt des Tals begegnen uns eine Menge Sagengestalten und nicht alle sind gutartig, aber als Dark Fantasy würde ich es nicht bezeichnen, eher als gemütliche Geschichten- und Wellness-Oase. Besonders angetan hatte es mir die Werwolfgeschichte. Und auch wenn es ein Café im Siebensteinthal gibt, den Tee mußte ich mir trotzdem selbst servieren. Immerhin wurde ich durch das wundervolle Cover und die Illustrationen von Frau Jehanzeb getröstet.

26/4 – In Fast verschwundene Fabelwesen von Florian Schäfer
und Elif Siebenpfeiffer begleiten wir den Forschungsreisenden Konstantin O. Boldt und sein Team auf einer Suche im 19. Jahrhundert nach Fabelwesen in ganz Europa. Das wird mit vielen Zeichnungen und Colagetechnik illustriert und erzählt. Ich gebe zu, ich habe mit dem Buch etwas gefremdelt. Die Expeditionserzählung war anscheinend nicht spannend genug, deswegen musste noch eine weitere Konkurrenzexpedition und ein Showdown auf einem Alpengletscher hinzugefügt werden. Was mich noch gestört hatte, waren die fast unleserbaren Untertitel, dies wird aktuell aber für Nachauflagen vom Verlag geändert. Für die grandiosen Zeichnungen und Illustrationen von Elif Siebenpfeiffer und die fachkundigen Erklärungen zu Fabeltieren lohnt sich der Band aber auf jeden Fall.

26/5 – Die Lesereise geht weiter dorthin, wo ich ohnehin die ganze Zeit bin: An die Saale. Olivia Vieweg verlegt in ihrer Graphic Novel die Geschichte über Huck Finn nach Mark Twain vom Mississippi an den Fluß der unter meinem Lesefenster entlang fließt. Sogar das Schiff die „Händel II.“ von unserem Flußschiffer Rüdiger spielt mit. Ansonsten bleibt die Handlung relativ gleich: Nur ist der Sklave Jim hier die Prostituierte Jin, die vor ihrem Zuhälter Maik flieht, während Huck vor fürsorgender Tante und übergriffigen Vater die Flucht ergreift. Etwas hastig wird das Ganze von der Zeichnerin und Autorin zu Ende gebracht und Huck und Jin kehren nach Halle zurück.

26/6 – Die Reise führt uns von der Saale weit weg nach Korea: „Plant Lady“ von Minyoung Kang liest sich leicht, ist aber keinesfalls leichte Lektüre. Toxische und stalkende Männer sind ein Problem in Südkorea. Femicide nehmen immer mehr zu. Aber Minyoung Kang will in ihrem Roman nicht die Opferperspektive darstellen, sonder dreht den Spieß um. Ihre Hauptperson Yu-hee, die seit Schultagen das Opfer männlicher Übergriffe und Gewalt wurde, konnte ihren Traum eines eigene Pflanzenladens wahr machen. Nebenbei aber entledigt sie sich der Problemmänner, nicht nur der eigenen, sondern auch der von Kundinnen. Dafür eignet sich auch der neu gekaufte Häcksler ausgezeichnet. Das ruft natürlich irgendwann die Polizei auf den Plan.

26/7 – Ich liebe Geschichten, aber der Ausflug in die Welt von „Schwertschwester“ hrsg. von Marion Zimmer Bradley, hat sich nicht gelohnt. Ich weiß nicht, was mich vor Jahren zu der Anschaffung bewogen hat. Bis auf eine waren die Stories durchschnittlich oder schlecht. Und mit dem Genre „Vergewaltigung und Vergeltung“, das MZB so herausstrich (was vielleicht auch an ihrer eigenen perversen Sexualität lag, die vor ihrer Tochter nicht Halt machte), konnte ich nun gar nichts anfangen. Ob Mehrfachvergewaltigungen unbedingt zur Spannung beitragen, mag nun jeder selbst entscheiden. Warum urteile ich insgesamt so hart? Weil über die schwertschwingende Fantasy, egal ob muskelös männlich oder weiblich wie in diesem Band, die Zeit womöglich hinweggegangen ist. So wirken die Geschichten im besten Falle altbacken, im schlechtesten Fall einfach nicht mehr lesenswert.

26/8 – Auch der Ausflug in die nordspanischen Berge und in „Die Bibliothek der wahren Lügen“ von Jesús Cañadas konnte mich nicht völlig überzeugen. Oskar, die jugendliche Hauptperson des Romans, gewinnt einen Schreibkurs bei seinem Lieblingsautor Simon Bruma. Für mich war es wie eine Rückkehr in meine Jugend in einem der großen Landhäuser im Norden der iberischen Halbinsel. Aber der Schreibkurs läuft völlig anders als Hauptperson und Leser erwartet haben (auch wenn es zwischendurch tatsächlich etwas Literaturtheorie gibt): Zum einen scheinen die Flure des Landhauses von Monstern bevölkert zu sein und zweiten schreibt sich Oskar in die Romanwelt des Autor hinein (Frau Funke grüßt schön!) und nimmt dabei die todkranke Tochter des Autors, November, mit. Von dem Abenteuer überzeugt lediglich die Raupe Melodie, die Opernsängerin werden möchte, alles andere ist eine Collage aus den im Roman sogar erwähnten Klassikern der fantastischen Literatur. Manches ist sehr plump eingebaut wie zum Beispiel der Herzkönigin aus Alice im Wunderland! Nur der Schluss ist typisch iberisch und sehr, sehr Carlos Ruiz Zafón. Allerdings ist dies alles sehr spannend gestaltet und fesselnd geschrieben. Deswegen trotzdem eine Leseempfehlung.

26/9 – Die Lesereise wird sachlich: Es geht zu den „Wespen: Eine Versöhnung“ von Seirian Sumner. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich habe mich noch nie auf eine so charmante und heitere Art informiert gefühlt, wie bei der Reise zu der seit Millionen von Jahren auf der Erde existierenden Welt der Wespen. Für viele Menschen sind Wespen, besonders die „Picknick-Wespen“, wie Prof. Sumner die Plagegeister nennt, keine heitere Sache, aber dieses Buch ist auf so viele Weise so lustig und aufklärerisch, dass ich in diesem Sommer Wespen mit anderen Augen anschauen werde. Nebenbei erfährt der Leser auch sehr viel über das Familienleben der Sumners und nimmt an einem fiktiven Abendessen mit dem Philosophen Aristoteles teil. Ein Herzensdank geht an den Verlag, der den charmanten Schreibstil der Autorin, sie nennt ihn selbst „plapperhaft“, erhalten hat. Am Ende wurde der Leser nicht nur mit vielen Fakten über die vielen Arten von Wespen „vollgeplappert“, nein, er hat die Wespen lieben gelernt. Für mich das Lieblingssachbuch der letzten Jahre!

26/10 – Von den Mikrokosmos der Wespen in den unendlichen Weltraum, so geht die Lesereise 2026 weiter. Der SF-Roman „Fools in Space : Die Flucht“ von Calin Noell spielt auf einem Raumschiff, dass offiziell den Namen „Fool 2“ trägt und ein die Erdumlaufbahn umkreisender Aufbewahrungsort für Menschen mit „minderschweren Fehlfunktionen“ ist. Auch die KI, die das Schiff betreut und auf Kurs hält, scheint einen Schaden zu haben. Deswegen rückt auch ein Team, bestehend aus einem Programmierer und eine Ingenieurin an. Da empfängt die KI ein Signal aus den Tiefen des Alls und zögert nicht, dieser Nachricht hinterher zu reisen. Nicht nur das Überprüfungsteam, auch alle 400 „Insassen“, müssen mit. Ein Kriegsschiff, die Arreter 2, versucht, die „Fool 2“ abzuschießen, bevor es entkommen kann. Gelingt der KI die Flucht bis zum Ausgangspunkt des Signals? Und wer ist der Urheber des Signals? Das war spannendes Weltraumabenteuer, das mich aber nicht vollständig zu überzeugen wußte. Unnötige und brutale Actionabschnitte nervten sehr.

26/11 – Aus dem Weltall nach Nordfriesland: Der fiktive Ort Fredenbüll, erfunden von Krischan Koch, kann nicht nur mit kulinarischen Höhepunkten des Imbisses „De Hidde Kist“ aufwarten, sondern ist leider auch ein Verbrechensschwerpunktgebiet, vor dem sich selbst die Polizei fürchtet. Allerdings nicht der örtliche Polizist Thies Detlefsen, der oft zusammen mit der KHK Nicole Stappenbek ermittelt, um dem Verbrechen Herr zu werden, zur Not ruft er auch ein Rollmopskommando zu Hilfe. Aber im 10. Band „Mord im Nord-Ostsee-Express“ soll erst einmal Pause sein: Thies, seine Frau Heike, und andere alte Bekannte aus Fredenbüll fahren zusammen mit dem Bredstedter Volksschulkurs Französisch im Nord-Ostsee-Express nach Paris. Bevor sie aber in Hamburg umsteigen können, bleibt der Zug wegen unverhofften Wintereinbruchs in einer Schneewehe stecken und die Lateinlehrerin Agathe Christiansen wird ermordet auf dem Zugklo aufgefunden. Der Französischlehrer Picon, ein Belgier, bietet Thies sofort seine Mithilfe bei den Ermittlungen an, während die hochschwangere Nicole Stappenbek verzweifelt einen verschwundenen Polizeianwärter sucht. Oma Ahlbeck macht derweil wichtige Beobachtungen. Wie immer laufen alle Fäden im Imbiss zusammen. Diese nordfriesische Agatha-Christie-Parodie hat leider viel Potential verschenkt und war zudem etwas zu durchsichtig, nicht der beste Fredenbüll-Krimi meiner Meinung nach.

26/12 – „Die Katze, die von Büchern träumte“ von Sosuke Natsukawa hat mich nicht überzeugen können. Anfang und Schluss sind sehr schön geschrieben, aber die Abschnitte dazwischen hätte ich mir sparen können. Dabei kann bei der Kombination „Bücher + Katze“ normalerweise nichts schiefgehen, aber die Geschichte um Rintaro Natsuki, die sprechende Katze Tora und die resolute Klassensprecherin Sayo Yusuki wirkt am Ende zu künstlich, nicht mehr von dieser Welt, um mich beeindrucken zu können. Die Teenager, zu denen auch noch die Randfigur Ryoto Akiba gehört, wirken wie altersweise Erwachsene, während alle anderen Figuren nur wie Scherenschnitte im Hintergrund agieren, ausgenommen vielleicht der Großvater von Rintaro, mit dessen Tod die Handlung beginnt. Es hätte also eine sehr schöne Geschichte über das Lesen, und wie es Sayo gelingt, Rintaro wieder ins Leben zurückzuholen, werden können, eine Antiquariatskatze dabei zu haben, wäre toll gewesen, statt dessen werden aber abgedrehte Geistreisen unternommen, bis es zu einem gar lieblichen Schluss kommt. Schade, finde ich.

26/13 – Von den Geistreisen zu Zeitreisen kommen wir in dem Roman „You and Me – Die zweite erste Liebe“ vom Ehepaar Josie Lloyd und Emylin Rees. Obwohl der Roman unterhaltsam und leicht geschrieben ist, hatte ich zu Beginn einige Probleme, in das Buch hinein zu kommen. Erst als die wahrlich absonderliche Zeitmaschine in Form des Ghettoblasters in Aktion getreten war, begannen mich die Zeitreiseabenteuer des Ehepaars zu fesseln. Es wurde die Theorie des Zeitparadoxon auf den Alltag eines Ehepaars herunter gerechnet. Die beiden Autoren, Josie Lloyd und Emlyn Rees, selbst ein Ehepaar, benutzen dabei die theoretische Möglichkeit des Entstehens von mehreren Zeitlinien, um die Unmöglichkeit des Zeitreisens aufzuheben. Dabei entsteht jedoch ein so großes Chaos, das ich mich fragte, ob es den Hauptpersonen Jules und Adam bzw. den Autorenpaar gelingen wird, aus dem entstandenen (Zeit-)Schlamassel wieder heraus zu kommen. Es gelang, wie wird nicht verragen. Ganz amüsant, aber kein Lieblingsbuch.

26/14 – „Nachts in der Bibliothek“ von Christopber Lincoln bietet eine ganz eigene Reise zu den Figuren der Werke der Weltliteratur von der Schatzinsel bis zu Edgar Allen Poe. Das wird mit viel Witz und unglaublich turbulent geschildert bzw. dargestellt. Und natürlich gibt es auch einen Bösewicht in der Geschichte, als dieser offen auftritt, eskaliert alles und ohne die Helden aus den Büchern wären die Kinder und Ms Literati, die Bibliothekarin, aufgeschmissen. Bücher oder Graphic Novels mit Bibliothekar/innen haben bei mir ohnehin einen Stein bzw. Stern im Brett. Diese hat mich zeichnerisch und trotz übertriebener Turbulenz sehr gut mitgenommen. Da sich die Geschichte abschlossen lesen läßt, stört mich ein 2. Teil nicht, im Gegenteil. Etwas mehr Magie in Büchern kann doch nicht schaden, oder?

26/15 – Reisen und Inseln, gehört auch zusammen, oder? Das Hörbuch „Die Erfindung der Sprache“ von Anja Baumheier, hervorragend gelesen von Wolfgang Berger (*), bot eine vielversprechende Story (*) um die Geschichte von Adam Riese und seiner Familie. Sein Vater Hubert erscheint auf einer fiktiven Nordseeinsel und verschwindet später wieder. Für Adam und seine Mutter eine Katastrophe. Erst als Erwachsener macht sich Adam, der Reisen verabscheut, auf, seinen Vater zu suchen. Mit Rückblenden erzählt, hätte es eine gute Story werden können. Wurde es aber nicht. Stilistisch völlig überdreht, erzählerisch ungenügend und die Handlung oft maßlos übertreibend, ist dieses Buch leider die schlechteste Lektüre in diesem Jahr. Kann frau, man oder div. sich sparen!

26/16 – Es fällt uns leicht, Adam Riese hinter uns zu lassen. Die Reise geht nun nach Japan: Der Sonderband der Manga-Serie„Detektiv Conan“ von Gōshō Aoyama mit dem Namen „Monster Mysteries“ läßt Conan und seine Freunde eine Menge japanischer Sagengestalten begegnen, vom Bergkobold bis zum Nue, Mischung aus Marderhund, Affe, Tiger, Schlange usw. All diese Wesen bringen in den Monsterfällen Menschen um, selbst die Polizei glaubt das, aber natürlich stecken ganz reale Menschen dahinter, wie Conan und seine Freunde rasch herausfinden. Denn Sagengestalten gibt es doch nicht, oder? Es ist also ein Krimi-Manga und meiner Meinung nach gut gelungen, fesselnd und nicht immer ist der wirklich Mörder gleich offensichtlich. Auch für alte Bibliothekare geeignet!

26/17 – Der Band „Der Tag vor der Revolution“ von Ursula K. le Guin in der Neuübersetzung von Karen Nölle beinhaltet 25 Science-Fiction-Stories von ca. 100 der Autorin insgesamt, aber diese geben bereits einen guten Eindruck vom Schaffen dieser herausragenden Autorin, die nicht nur auf „Erdsee“ reduziert werden sollte. Hier sind wir mitten im Weltall, allerdings begegnen uns keine Aliens, sondern der bei Le Guin besiedelte Weltraum wird von Menschen, die alle vom Planeten „Hain“ abstammen, einzig dominiert. Allerdings haben viele der hainischen Planeten, darunter auch die Erde, unterschiedliche Zivilisationen ausgebildet. Das ist genau das, was Le Guin als Autorin interessiert. Hier kommen nicht die Technikbegeisterten oder die Sternenkrieger auf ihre Kosten, sondern die Freunde des Zwischenmenschlichen und der leisen Töne. Dabei werden auch ungewöhnliche Sexualitäts- und Ehemodelle nicht ausgelassen. Frauen geht es auf fremden Welten auch nicht unbedingt besser als auf der Erde. Ein wenig ist auch dabei Le Guins Entwicklung von der männlich geprägten Autorin zu einer weiblichen „Schreibe“ zu erkennen. Welche ist nun meine Lieblingserzählung daraus? Meine Lieblingsgeschichten sind auf jeden Fall die, die in der Hainish Welt spielen. Auch da fällt mir die Entscheidung schwer. Ich werde die Geschichte wohl ein weiteres Mal lesen müssen. Und ein größeres Kompliment eines Lesers gibt es nicht. Doch: Schade, dass ich die Welten der Autorin erst so spät in meinem Leben entdeckt habe.

26/18 – Die Lesereise führt uns vom Weltall in den Schwarzwald: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner haben wir im #buchclub auf Bluesky gelesen. Es ist ein ein Buch, in dem Männer für Frauen nicht das Lebensziel sind. Sehr erfreuliche Erkenntnis! Leider kapieren das Männer oft nicht. Tut weh, aber muß akzeptiert werden. Ich habe es auch als „neuen deutschen Heimatroman“ bezeichnet und das trifft es wohl am Besten. Das Dorf Wittenmoos wird nie ausführlich beschrieben, aber bleibt bis zum Ende der Hauptprotagonist, um das sich das Leben der drei Riesinnen, Liese, Cora und Eva, dreht. Die zwei jüngeren Frauen verlassen den Ort zwar kurz, kehren aber zurück und lassen sich auch von Katastrophen nicht abhalten. Männer spielen im Leben aller drei Riesinnen nur eine Nebenrolle, wenn überhaupt. Es ist daher auch keine Familiensaga, sondern die Geschichte dreier Frauen, die ihr Leben selbst gestalten. Die Sprache der Autorin ist schlicht, geradeaus, manchmal sogar spröde. Womöglich hat sie damit eine Geschwindigkeitsbegrenzung gegen Kitsch eingebaut, der nur kurz am Ende aufblitzt. Ein mehr offenes Ende hätte mir bei dem Roman besser gefallen. Daher ist es ein sehr guter Roman, aber kein großer Roman. Vielleicht weil die Riesinnen selbst nichts Großes aus ihren Geschichten machen würden. Es ist auch ein geradezu unpolitischer Roman, selbst die Deutsche Vereinigung ist sehr fern vom Schwarzwald, ein Grundrauschen, das keine Relevanz für die Welt der Riesinnen hat. Unbedingt eine Leseempfehlung. Manchen meiner Mitleser/innen hat es förmlich in das Buch hineingesogen.

26/19 – Vom Schwarzwald geht die Reise nach Tobosow / Müritz. Flix eine wundervolle Fassung des Stoffes von Miguel de Cervantes Saavedra gelungen. Bis hin zu vielen Details aus dem weltberühmten Roman, die in Graphic Novel auftauchen, hat Flix besonders die tiefe Traurigkeit hat Flix des Stoffes gut eingefangen. Natürlich hat er die vielen Nebenstories weggelassen und auch das umfangreiche Nebenpersonal inkl des Pfarrers sind inzwischen weggestorben. Die spanischen Namen hat der Zeichner/Autor einfach beigelassen, was in Mecklenburg etwas befremdlich wirkt, aber nicht weiter stört. Sancho Pansa und der Postbote sind die letzten Gefährten des Landmanns Alonso Quijano. Auch seine Katze Dulcinea ist schon lange tot. Als auch Sancho stirbt und dessen Sohn einen Windpark errichten will, beginnt der Kampf des Ritters dagegen. Seine Tochter Antonia verfrachtet ihn in ein Altenheim. Aber Robin, der Enkel, befreit ihn daraus und die Abenteuer können erneut beginnen. Auch die Polizei kann Ritter und Knappen nicht aufhalten. Was kann Antonia, Alonsos Tochter, gegen diesen Wahnsinn noch ausrichten? Diese Geschichte in unsere heutige Zeit zu versetzen, ist Flix 100 % gut gelungen und deswegen kann ich eine Lektüre unbedingt empfehlen.














































































































































































